testcard review

martin büsser
testcard#9
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"if there was ever a battle", wird kurzmann da im info zitiert,"it must have been the one between the guitar and the computer". aber ist diese schlacht nicht schon laengst im sinne eines schrecklich laecherlichen scheingefechts geschlagen worden? haben nicht immer - in der regel - nur die stumpfesten ideologischen vertreter des einen oder anderen instrumentes daran geglaubt, waehrend andere - allen voran und am bekanntesten: jim o´rourke - immer schon auf beides gesetzt haben? wie auch immer: das duo aus burkhard stangl (akustikgitarre) und christof kurzmann (laptop) zeigt, dass beides wunderbar zusammengeht, aehnlich stimmig wie auch die zusammenarbeit zwischen eugene chadbourne und thomas lehn, die sich in dieser ausgabe besprochen findet. gitarrist stangl ist in der improvisationsszene umtriebig (zusammenarbeit mit tom cora, gene coleman, tony coe, sahinkho namtchylak, jim o´rourke usf.) christof kurzmann sicher noch einigen aus extended versions bzw. more extended versions bekannt, die vor einigen jahren gemeinsam mit cpt. kirk& eine ganz hervorragende platte mit neuinterpretationen von alten robert wyatt-nummern aufgenommen hatte. auf schnee geben sich beide betont ruhig, auf vier nummern langsam, bedacht. weder elektronik noch gitarre laufen da zu einer "battle" auf, sondern harmonieren in einem miteinander spaerlicher akzente zwischen sogenannter elekro-avantgarde und minimalistischem folk. waehrend der elekro-minimalismus an allen ecken und enden in eine sackgasse geraten ist und seine lobpreisungen der sogenannten stoergeraeusche meist nur noch ein leises gaehnen hevorruft, wird hier wieder strukturell bedacht und trotz minimalismus höchst dicht gearbeitet. meiner meinung nach (die ich jetzt allerdings nicht in langen abhandlungen begründen moechte), liegt in genau solchen grenzgaengen die zukunft des jazz. ja, richtig gelesen - des jazz.