wiener zeitung review

uwe schuette
01 09 2000
www.wienerzeitung.at

Ich liebe das Einfarbige, Eintönige, Schnee ist ein recht eintöniger Gesang." Dieses Zitat von Robert Walser haben Burkhard Stangl und Christof Kurzmann als treffendes Motto für ihre Instrumental-CD ausgewählt. Eintönige Musik - doch im bestmöglichen Sinn. Die beiden österreichischen Musiker erinnern in ihren vier Stücken von jeweils 15 bis 23 Minuten Länge an den minimalistischen Post-Rock von Bands wie Godspeed You Black Emperor oder Aerial M. Allerdings gehen Stangl/Kurzmann noch radikaler weiter in Richtung Ambient.
Mit Mut zum Selbstbeschränkung erforschen sie ein spirituelles Terrain, das vor ihnen allenfalls Labradford betreten haben. Sinnlich und intellektuell, doch ohne künstlich zu wirken, avantgardistisch, aber ohne auf platte Effekte bedacht. Verhaltene, akustische Klänge treffen auf unterschwellige elektronische Soundeffekte. Die Stille, der Zwischenraum, wird zum wichtigsten Klangträger. So vermutlich würde die Lyrik Paul Celans klingen, wäre sie aus Musik statt Sprache.